Meinung

AK-Leistungskarte – Interessenvertretungen in der Krise?

Für eine große Welle der Entrüstung hat in den letzten Tagen das Video der Arbeiterkammer OÖ zur Vorstellung ihrer neuen „AK-Leistungskarte“ gesorgt, in dem ein Arbeitgeber auf fast schon gezwungen pseudo-lässig Art als narzisstischer und herzloser Tyrann dargestellt wird.

Allerdings ließen die unzähligen Kommentare und Foreneinträge erkennen, dass sich nicht nur Unternehmer durch die Darstellung des Chefs im Clip vor den Kopf gestoßen fühlten. Insbesondere viele Einzel- und Kleinunternehmer, die den größten Teil der Wirtschaftstreibenden ausmachen, sahen sich verhöhnt, sind sie doch im täglichen Kampf gegen überbordende Bürokratie und steuerliche Belastung weit entfernt von einem Dasein als superreicher, präpotent-selbstdarstellerischer „Big Boss“.

Arbeitnehmer verfügen heutzutage über viel unternehmerisches Verständnis.

Auch bei der anvisierten Zielgruppe scheint die Art der Botschaft nicht sehr gut angekommen zu sein; Als beinahe einhelliger Tenor zu dem Video war auch von Arbeitnehmerseite zu vernehmen, dass man das gezeigte „schwarze Schaf“ keinesfalls durch die banale und ungerechtfertigte Pauschalierung als stellvertretendes Rollenbild für sämtliche österreichische Unternehmer betrachten wollte. Die meisten Arbeitnehmer verfügen heutzutage über viel unternehmerisches Denken, Verständnis und Flexibilität, und lassen richtiger Weise nicht alles mit sich machen, weil ein Jobwechsel für viele keine unüberwindbare Hürde mehr auf dem Weg zu einem zufriedenstellenden und erfüllten Berufsleben darstellt.

Interessenvertretungen in der Krise?

Dem aufmerksamen Beobachter historischer Entwicklungen und der gegenwärtigen Situation erscheint es fast, als befänden sich manche österreichischen Interessenvertretungen in einer Krise hinsichtlich ihrer Daseinsberechtigung, welche durch das Verschwinden des in früheren Zeiten herrschenden Klassenkampfes offenbar zunehmend infrage gestellt wird. Die Wiederauflage und das Aufwärmen und Anheizen glücklicherweise bereits beseitigter Spannungsfelder – wie jenes zwischen den Stereotypen „herrschsüchtiger Unternehmer“ und „unterdrückter Arbeiter“ – erscheint hier zurecht als die sicher nicht am besten geeignete Strategie, um die eigene Existenz zu rechtfertigen. Hier läuft man schnell Gefahr, seine Glaubwürdigkeit durch das Wiederkäuen veralteter Problematiken und die Verwendung fast schon populistischer, zumindest aber äußerst provokativer Aussagen.

Weitaus wichtiger wäre es hier, mit der Zeit zu gehen und das eigene Wirken und die Kommunikationsmaßnahmen nach den tatsächlichen Bedürfnissen der eigenen Mitglieder auszurichten.

Dank der Verstärkung durch die Medien, insbesondere über soziale Netzwerke, hat der Spot genau das erreicht, was wohl das eigentliche Ziel war: Aufmerksamkeit und Publicity zu generieren. Diesen Gefallen sollte man dem Video aber – alleine schon aufgrund der technisch und stilistisch fragwürdigen Umsetzung – nicht tun.

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